Stabilität verpflichtet - Dr. Daniel Risch über internationale Verantwortung, liechtensteinische Stiftungen und seine neue Rolle bei Switzerland for UNHCR

Herr Risch, was hat Sie persönlich dazu bewogen, sich in der Stiftung Switzerland for UNHCR zu engagieren und welche Werte leiten Ihr humanitäres Engagement?
Mein Engagement für die Stiftung Switzerland for UNHCR entspringt einer tiefen Überzeugung, dass jeder Mensch das Recht auf Schutz und Würde hat. Die humanitären Werte, die mich leiten, sind Solidarität, Mitgefühl und Verantwortung. Wenn man in der Schweiz und in Liechtenstein aufgewachsen ist - beides Länder, die von Stabilität und Wohlstand geprägt sind, gehört es für mich dazu, einen Beitrag für Menschen in Not zu leisten. Die UN-Flüchtlingsorganisation kümmert sich um die Menschen, die alles verloren haben - sogar ihre Heimat. Daher ist der Einsatz hierfür besonders wertvoll.
Den finalen Ausschlag für meinen Entscheid, dem Board beizutreten, hat das Team von Switzerland for UNHCR und die Überzeugung, einen wichtigen Beitrag leisten zu können, gegeben.
Besonders überzeugt hat mich die Professionalität der Stiftung, ihre klare Governance-Struktur und die enge Anbindung an UNHCR. Diese Kombination aus lokaler Verankerung und globaler Wirkung schafft Vertrauen - sowohl bei Spenderinnen und Spendern als auch bei institutionellen Partnern.
Welche zentralen Ziele möchten Sie innerhalb der Stiftung Switzerland for UNHCR verfolgen und wo sehen Sie die spezifischen Stärken der Stiftung im internationalen humanitären Kontext?
Mein Engagement in der Stiftung Switzerland for UNHCR wird sich - wenig überraschend - auf meine Kernkompetenzen im Bereich finanzielle Führung, Digitalisierung und digitales Marketing sowie mein Netzwerk in der deutschsprachigen Schweiz und in Liechtenstein konzentrieren - immer mit dem Ziel, dadurch letztlich den geflüchteten Menschen bessere Perspektiven geben zu können. Durch die direkte Anbindung an UNHCR kann gezielt dort geholfen werden, wo die Not am größten ist.
Ich sehe eine zentrale Aufgabe darin, die Stiftung strategisch weiterzuentwickeln und ihre Positionierung im philanthropischen Umfeld zu stärken. Switzerland for UNHCR ist Brückenbauerin zwischen engagierten Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen einerseits und der operativen Arbeit von UNHCR andererseits. Diese Rolle verdient Sichtbarkeit.
Die Stärke der Stiftung liegt in ihrer Effizienz und Transparenz. Mittel werden zweckgebunden eingesetzt, Projekte werden klar definiert und Wirkung messbar gemacht. In einer Zeit, in der Vertrauen in Institutionen nicht selbstverständlich ist, ist diese Verlässlichkeit entscheidend. Ich bin überzeugt, dass wir durch gezielte Ansprache institutioneller Partner und durch digitale Instrumente noch mehr Wirkung entfalten können.
Gibt es bestimmte Projekte oder Themen - etwa Bildung, psychosoziale Unterstützung oder Schutz von Kindern - die Ihnen persönlich besonders am Herzen liegen?
Als zweifacher Familienvater liegen mir Projekte im Bereich Bildung und der Schutz von Kindern natürlich am Herzen. Bildung ist letztlich der Schlüssel zu einer besseren Zukunft und ermöglicht Integration und Selbstbestimmung. Mir ist aber wichtig, dass der Fokus gleichwohl auf allen Geflüchteten und Menschen in Not liegt, so ist das Schaffen von menschenwürdigen Bedingungen und die psychosoziale Unterstützung essenziell, um traumatisierten Menschen Hoffnung und Stabilität zu geben.
Gerade bei Kindern zeigt sich, wie wichtig frühzeitige Unterstützung ist. Fehlende Bildung oder fehlender Schutz wirken oft ein Leben lang nach. Gleichzeitig dürfen wir die Erwachsenen nicht aus dem Blick verlieren. Erwerbsperspektiven, psychosoziale Stabilisierung und rechtlicher Schutz sind zentrale Voraussetzungen, damit Familien wieder eigenständig leben können.
UNHCR verfügt hier über jahrzehntelange Erfahrung und über Strukturen vor Ort, die schnelle und gleichzeitig nachhaltige Hilfe ermöglichen. Switzerland for UNHCR trägt dazu bei, dass diese Arbeit verlässlich finanziert werden kann.
Liechtenstein verfügt über eine lange Tradition im Stiftungswesen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der liechtensteinischen Stiftungen, insbesondere im Hinblick auf Transparenz, internationale Zusammenarbeit und regulatorische Entwicklungen?
Die lange Tradition im Stiftungswesen, gerade auch was gemeinnützige und philanthropische Stiftungen angeht, kann ich gerne bestätigen. 2025 wurde Liechtenstein erneut vom Global Philanthropy Environment Index zum Philanthropiestandort Nummer 1 gekürt. Dies auch, weil Liechtenstein mit seiner hohen Rechtssicherheit, dem liberalen Stiftungs- und Trustrecht sowie weltweit anerkannten Finanzdienstleistungen hervorragende Rahmenbedingungen für gemeinnützige Stiftungen und Trusts bietet. Die aktuelle Situation ist geprägt von zunehmender Transparenz und regulatorischen Entwicklungen, die internationale Zusammenarbeit erleichtern.
Ich nehme wahr, dass viele Stiftungen heute noch stärker auf Wirkung und Governance achten als früher. Professionalisierung, klare Reporting-Strukturen und internationale Partnerschaften gewinnen an Bedeutung. Das ist eine positive Entwicklung. Gerade im humanitären Kontext ist es entscheidend, dass Mittel nachvollziehbar eingesetzt und Wirkungen klar kommuniziert werden.
Liechtensteinische Stiftungen verfügen über hohe Kompetenz im Bereich Strukturierung, langfristige Finanzierung und strategische Begleitung von Projekten. Diese Stärken sind im internationalen Umfeld gefragt.
Inwiefern glauben Sie, dass liechtensteinische Stiftungen eine stärkere Rolle in globalen humanitären Projekten spielen könnten?
Die Flexibilität, das Netzwerk und die Expertise machen liechtensteinische Stiftungen zu wertvollen Partnern, insbesondere bei der Finanzierung und Umsetzung innovativer Hilfsprojekte.
Ich bin überzeugt, dass liechtensteinische Stiftungen aufgrund ihrer Agilität besonders gut in der Lage sind, gezielt und wirkungsorientiert zu handeln. Sie können Pilotprojekte ermöglichen, innovative Ansätze fördern und dort einspringen, wo staatliche Mittel an Grenzen stoßen.
Im Zusammenspiel mit einer Organisation wie UNHCR entsteht ein starkes Modell: strategische, langfristige Finanzierung aus Liechtenstein trifft auf operative Exzellenz und globale Präsenz. Diese Kombination bietet erhebliches Potenzial.
Welche Formen der Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Switzerland for UNHCR und liechtensteinischen Stiftungen halten Sie für realistisch und besonders wirkungsvoll? Realistisch und wirkungsvoll halte ich Kooperationen, bei denen liechtensteinische Stiftungen gezielt Projekte der Switzerland for UNHCR unterstützen - etwa durch gemeinsame Förderprogramme oder Know-how-Transfer. Synergien entstehen vor allem dort, wo beide Seiten ihre Stärken einbringen und voneinander lernen.
Darüber hinaus sehe ich Potenzial in mehrjährigen Partnerschaften mit klar definierten Wirkungszielen. Planungssicherheit ist für humanitäre Organisationen von großer Bedeutung.
Auch der fachliche Austausch zwischen Stiftungsräten, Geschäftsführungen und Projektverantwortlichen kann wertvoll sein. Switzerland for UNHCR kann hier als strukturierte Plattform dienen, die Projekte sorgfältig prüft, transparent berichtet und die Verbindung zu UNHCR sicherstellt.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Stiftung Switzerland for UNHCR in Bezug auf ihren Beitrag zu einer solidarischeren und menschlicheren Welt?
Für die Zukunft von Switzerland for UNHCR wünsche ich mir, dass die Stiftung einen bedeutenden Beitrag zu einer solidarischeren und menschlicheren Welt leistet, indem sie bedeutende Mittel für UNHCR generiert. Es geht letztlich darum, den Menschen in Not Hoffnung zu schenken und konkrete Hilfe zu leisten.
Darüber hinaus wünsche ich mir, dass die Stiftung als verlässliche Partnerin für anspruchsvolle Philanthropinnen und Philanthropen wahrgenommen wird. Wirkung, Transparenz und Professionalität sollen im Zentrum stehen.
In einer Welt mit zunehmenden Krisen braucht es Organisationen, die stabil, kompetent und wertebasiert handeln. Switzerland for UNHCR hat das Potenzial, diese Rolle weiter auszubauen.
Wenn Sie an die nächsten Generationen denken: Welche Botschaft möchten Sie jungen Menschen in Liechtenstein mitgeben, die sich für Flüchtlinge und humanitäre Werte einsetzen möchten?
Ich bin überzeugt, dass die Botschaft an schweizerische und liechtensteinische Jugendliche bzw. an Jugendliche in ganz Europa die gleiche ist. Der Einsatz für humanitäre Werte, die Unterstützung der Schwächsten und ein starkes Gemeinwesen sind elementar für eine funktionierende Gesellschaft - Engagement beginnt oft im Kleinen, kann aber Großes bewirken. Offenheit, Empathie und der Wille, Verantwortung zu übernehmen, sind die Grundlage für eine gute Zukunft.
Gerade junge Menschen bringen neue Perspektiven, digitale Kompetenz und eine starke Sensibilität für globale Zusammenhänge mit. Dieses Potenzial sollten wir ernst nehmen und fördern. Humanitäres Engagement ist keine Frage des Alters, sondern der Haltung.
Ich hoffe, dass viele junge Menschen erkennen, dass Wohlstand und Stabilität auch Verpflichtung bedeuten. Wer in einem privilegierten Umfeld aufwächst, kann einen Beitrag leisten - durch Engagement, durch fachliche Expertise oder durch Unterstützung von Organisationen, die professionell und wirksam helfen.
Zur Person:
Daniel Risch ist seit Februar 2026 im Board von Switzerland for UNHCR.
Von 2021 bis 2025 war Risch Regierungschef von Liechtenstein und verantwortete die Bereiche Finanzen, Digitalisierung und die Gesamtorganisation der staatlichen Verwaltung. Davor war er von 2017 bis 2021 Minister für Infrastruktur, Wirtschaft und Sport. Daniel Risch promovierte an der Universität Fribourg zur «Nutzung von Kundenprofilen im E-Commerce» und studierte Wirtschaft in Zürich, St. Gallen und München. Von 2008 bis 2014 war er CMO eines führenden Schweizer E-Business-Dienstleisters.
Vor seiner achtjährigen politischen Laufbahn bekleidete Risch verschiedene Verwaltungs- und Aufsichtsratsmandate in Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland. Zudem war er Mitgründer des heute größten Musikfestivals Liechtensteins.
Daniel Risch, Jahrgang 1978, ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Er lebt mit seiner Familie in Triesen und ist begeisterter Outdoor-Sportler. In seiner Freizeit spielt er Klavier und Gitarre.
Switzerland for UNHCR:
Switzerland for UNHCR ist eine Stiftung nach Schweizer Recht und untersteht der eidgenössischen Stiftungsaufsicht. Sie wurde gegründet, um die Arbeit der UN-Flüchtlingshilfsorganisation UNHCR in der Schweiz zu unterstützen und zusätzliche private Mittel für den weltweiten Flüchtlingsschutz zu mobilisieren.
Als nationale Partnerorganisation von UNHCR verbindet die Stiftung engagierte Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen mit konkreten, geprüften Projekten vor Ort. Die Mittel fließen dorthin, wo der Bedarf am größten ist - etwa in den Schutz von Kindern, in Nothilfe, Bildung oder die Versorgung von Vertriebenen in Krisengebieten.
Switzerland for UNHCR arbeitet transparent, mit klarer Governance und enger Anbindung an UNHCR. Spenderinnen und Spender erhalten Einblick in Projekte, Wirkung und Mittelverwendung. Ziel ist es, nachhaltige Unterstützung für Menschen auf der Flucht zu sichern und verlässliche Partnerschaften im philanthropischen Umfeld aufzubauen.