Die Robert Bosch Stiftung fördert international

In der deutschen Stiftungslandschaft ist die Robert Bosch Stiftung einer der größten Player, nicht nur als Förderinstitution. Dank ihrer Förderschwerpunkte ist sie weltweit aktiv. Hier zeigt besonders das länderübergreifende Projekt „Common Ground - Shaping Regions Across Borders", dass die Stiftung auch sehr große Vorhaben unterstützt.
Die Robert Bosch Stiftung gilt als eine der größten und bedeutendsten unternehmensverbundenen Stiftungen Deutschlands. Gegründet 1964 nach dem Testament des Industriellen und Ingenieurs August Robert Bosch (1861-1942) in Stuttgart, ist sie heute auch eine der finanzstärksten Stiftungen des Landes mit einem weiteren Sitz in Berlin. Obwohl faktisch eine Stiftung, handelt es sich rechtlich um keine klassische rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts, sondern um eine gemeinnützige GmbH mit dem Zusatz „Stiftung" im Namen.
Um seine Vermögenswerte langfristig zu verwalten und gemeinnützig zu nutzen, traf Robert Bosch bereits 1921 entsprechende Regelungen per Testament. Nach seinem Tod wurden innerhalb von 30 Jahren seine Anteile an der Robert Bosch GmbH in diese Vermögensverwaltung übertragen, bis schließlich 1964 die Gründung der Robert-Bosch-Stiftung GmbH erfolgte, bis 1969 allerdings noch unter dem Namen „Vermögensverwaltung".
Förderung des Gemeinwohls, Bildung und Gesundheit
Etwa 94 Prozent der Anteile an der Robert Bosch GmbH sind im Besitz der Stiftung. Ihre Tätigkeiten finanziert sie ausschließlich aus den daraus entstehenden Dividenden. Die Investitionen in gemeinnützige Projekte belaufen sich seit Stiftungsgründung auf mehr als 2,3 Milliarden Euro. Die Stiftung ist nicht selbst unternehmerisch aktiv und beschäftigt aktuell etwa 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Struktur der Robert Bosch Stiftung beruht auf den drei Haupt-Organen Gesellschafterversammlung („Partner's Meeting"), Kuratorium („Board of Trustees") und der Geschäftsführung („Management Board"), die den operativen Bereich leitet. Die Entscheidung über die Verwendung der Mittel und Förderbereiche obliegt dem Board of Trustees, dem Mitglieder der Familie ebenso angehören wie Unternehmer und Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Kultur.
Als grundsätzliche Zwecke und Ziele sieht die Robert Bosch Stiftung die Förderung des Gemeinwohls, die Verbesserung von Bildung und Gesundheit sowie internationalem Verständnis und sozialen Entwicklungen im Sinne des Stifters. Daraus ergeben sich die drei großen Förderbereiche Gesundheit, Bildung und Globale Fragen. In diesem Zusammenhang betreibt die Stiftung auch eigene Einrichtungen wie das Robert Bosch Krankenhaus mit dem Dr. Margarete Fischer-Bosch Institut für Klinische Pharmakologie in Stuttgart, das Robert Bosch College UWC in Freiburg im Breisgau sowie das International Alumni Center und die Robert Bosch Academy in Berlin. Damit unterscheidet sich die Stiftung klar von reinen Förderstiftungen.
Engagement in 26 Ländern
Wenngleich die Förderaktivitäten der Robert Bosch Stiftung auf Deutschland fokussiert sind, die Förderhöhe lag hier für das Jahr 2024 bei etwa 219 Millionen Euro, gehört sie zu jenen Stiftungen, die weit über lokale, regionale und nationale Ebenen hinaus im internationalen Kontext wirken. Im gleichen Jahr engagierte sich die Stiftung laut Jahresbericht in 26 Ländern, neben europäischen Staaten in Ländern des Nahen Ostens und in ausgewählten Regionen Afrikas. Über den Förderbereich Globale Fragen werden auf internationaler Ebene Aspekte wie Demokratie, Migration, Klimawandel oder gesellschaftlicher Austausch adressiert. Die aufgewendeten Fördervolumen sind im Vergleich für Projekte innerhalb Deutschlands höher; die internationalen Aktivitäten sind jedoch von hoher strategischer Bedeutung.
Für Akteure der Zivilgesellschaft außerhalb Deutschlands bedeutet dies, dass Bewerbungen um Fördergelder bei der Robert Bosch Stiftung grundsätzlich möglich sind. Die ausgeschriebenen Calls for Proposal sind zwar thematisch spezifiziert, aber offen formuliert, sodass internationale Antragsteller als potenzielle Geförderte in Frage kommen. Das gilt insbesondere auch für grenzüberschreitende Projekte.
Stärkung der Demokratie
Zu den in der Vergangenheit geförderten Projekten gehörte beispielsweise 2010 AcademiaNet, eine Datenbank, die als Plattform Wissenschaftler und vor allem Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen zu Sichtbarkeit verhelfen wollte. Hieran waren auch Schweizer Akteure beteiligt. 2020 wurde die Trägerschaft durch den Schweizer Nationalfonds übernommen. Fünf Jahre später wurde die Plattform allerdings geschlossen.
Unter Schweizer Beteiligung (Université de Neuchâtel) wurde beispielsweise auch die Studie „RepChance - Political Representation in Inclusive Societies" erstellt, deren Ergebnisse 2025 veröffentlicht wurden. Weitere länderübergreifende Projekte (im DACH-Raum) der Robert Bosch Stiftung waren bspw. „Islamberatung in Deutschland, Österreich und der Schweiz", „Economy is Care", ein Netzwerk zur Stärkung der Care-Bewegung in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie „Faktor D - Hub für Demokratie".
Förderung grenzüberschreitender Bürgerbeteiligung
Zu den aktuellen Projekten gehört „Common Ground - Shaping Regions Across Borders". Die Planungsregion Hochrhein mit Basel als Kern war eine von acht geförderten Regionen der Pilotphase, die von 2020 bis 2025 andauerte. Kern des Vorhabens in allen beteiligten Regionen ist die Stärkung grenzüberschreitender Bürgerbeteiligung in deutschen Grenzregionen mit den jeweiligen Nachbarstaaten. Damit soll die Bevölkerung in politische und regionale Gestaltungsprozesse einbezogen und demokratisches Vertrauen und Zusammenhalt nachhaltig ins Bewusstsein gebracht werden. Politik und Verwaltung weisen in den jeweiligen Regionen unterschiedliche administrative Hürden und unzureichende Beteiligungsstrukturen der Zivilgesellschaft auf. Dass bereits in dieser Ausrichtung eine Herausforderung stecken würde, war seitens der Robert Bosch Stiftung am Anfang nicht klar, wie Sylvia Hirsch berichtet. Sie hat die Projektleitung von „Common Ground" inne und verweist darauf, dass der Projektzeitraum bereits deutlich vorangeschritten war, während nach wie vor der sprichwörtliche stete Tropfen, der den Stein höhlt, den Unterschied zwischen Zusammenarbeit und Beteiligung herausarbeiten musste.
Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Kommune
Unter wissenschaftlicher Begleitung von Beteiligungsprozessen sollten dafür niedrigschwellige Formate entwickelt und bisher weniger erreichte Bevölkerungsgruppen einbezogen werden. Die behandelten Themen reichen hier von grenzüberschreitender Energieversorgung über Klimawandel und Gesundheit bis zu Raumplanung und gemeinsamem Krisenmanagement. „Uns war zuallererst wichtig, dass es eine grenzüberschreitende Beteiligung gibt. Die Themen waren da zweitrangig. Wir wollten es nicht beschränken. Es ging eher darum, das Instrument Bürgerbeteiligung zu nutzen, um eine sinnvolle Fragestellung zu bearbeiten", so Hirsch. „Auch, wenn die Förderung an die Kommunen geht, sollte es kein rein kommunales Programm werden, sondern eine Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Kommune." Im Fall der Region Hochrhein war es tatsächlich das Thema Raumplanung, dass sich schließlich als Kern herauskristallisierte. Der grenzüberschreitende Pendlerverkehr war bis dato nicht aufeinander abgestimmt. Außerdem gibt es einen hohen Bedarf an Wohnraum. Hier anzusetzen, erschien besonders wichtig.
Inklusion marginalisierter Gruppen
Die Förderung umfasste neben der Finanzierung Prozessberatung, Weiterbildungen, Netzwerktreffen und eine formative Evaluation. Deren Ergebnisse wurden neben einem allgemeinen Bericht in gesonderten Länderberichten veröffentlicht. Und diese zeigten dann, nicht überraschend, auch regionale bzw. nationale Eigenheiten, wie auch Claudia Bosch erfahren hat. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung GmbH, die als Dienstleister die Projektumsetzung vor Ort betreut hat. Claudia Bosch ist es deshalb, die die Unterschiede in den Beteiligungskulturen hat wahrnehmen können: „In der Schweiz ist ja auch das Direktdemokratische an den Strukturen nicht unumstritten. Deshalb war es uns auch ein Anliegen, einen deliberativen Austausch zu etablieren. Es war gar nicht so einfach, ein BürgerInnenpanel mit 25 Teilnehmenden aus der Schweiz und Deutschland zusammenbekommen. Diejenigen, die dann aber beteiligt waren, waren Feuer und Flamme." Eine Herausforderung blieb dabei auch, im inklusiven Ansatz marginalisierte Zielgruppen zu erreichen. Auch hier ließen sich ältere, gut gebildete Bevölkerungsgruppen leichter aktivieren als beispielsweise junge Leute.
Agile Prozesse auf beiden Seiten
Viele Details wurden demzufolge auch im agilen Prozess gestaltet, wie Claudia Bosch betont. Möglich war das nicht zuletzt, weil die Robert Bosch Stiftung als Förderinstitution sich hier mit weiteren Vorgaben zurückgehalten hat, auch, was die konkrete Verwendung der Mittel anbelangt. Beziehungspflege und das Aufbauen von Vertrauen gehören genauso dazu. „Dann traut man sich im Projekt auch mal, zuzugeben, wenn etwas nicht optimal läuft. Und das kommt eben vor, wenn man etwas Neues ausprobiert", so Sylvia Hirsch. Entsprechend flexibel hat die Stiftung das Fördermanagement gestaltet. Es kam hier, anders als in den meisten Förderprojekten, nicht auf einen im Vorfeld komplett ausdifferenzierten Finanzplan an. Dieser wurde halbjährlich neu eingereicht, wodurch trotz erhöhtem Aufwand eine hohe Flexibilität in der Umsetzung erreicht wurde.
Erfahrungsaustausch der beteiligten Regionen
Auf der Seite der Projektträger war Patrick Leypoldt direkt an der Umsetzung beteiligt. Er ist Geschäftsführer des Vereins Agglo Basel, in dem neun Gebietskörperschaften aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zusammengeschlossen sind, „um gemeinsam und grenzüberschreitend die nachhaltige und integrierte Entwicklung von Landschaft, Siedlung und Verkehr voranzutreiben", so das offizielle Ziel. Und Leypoldt weiß: „Ohne die Robert Bosch Stiftung und Nexus hätte es zwar auch ein Raumkonzept gegeben, aber nicht unter der Abstützung durch die Bevölkerungsbeteiligung. Das war uns sehr wichtig." Er betont, wie während der Projektphase die Robert Bosch Stiftung nicht nur als Ansprechpartner permanent verfügbar war. Er lobt darüber hinaus den Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Regionen, den die Stiftung genauso ermöglicht hat. Mit dem Ergebnis, dem entwickelten Raumkonzept, so sagt er, ist Leypoldt zufrieden. Bei den Politikern kam es gut an. Wo noch Luft nach oben ist, ist der Bekanntheitsgrad in der Breite, bei der Bevölkerung. Bei aller erreichten Partizipation ist diese eben punktuell geblieben. Aber der Anfang ist gemacht: „Es ist eine gemeinsame Strategie, die über die Grenze geht und an der sich jetzt alle orientieren und versuchen, die Stoßrichtung in ihre länderspezifischen behördenverbindlichen Instrumente einfließen zu lassen. Das ist eigentlich das Wertvolle."
Heben des Potenzials auf EU-Ebene
Learnings gab es also nicht nur für die beteiligten Projektpartner. Auch für die Robert Bosch Stiftung hatte das Förderprogramm Pilotcharakter. Die daraus entstandenen Erkenntnisse will die Stiftung im nächsten Schritt über die Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen auf EU-Ebene heben, um hier weitere Entwicklungen voranzubringen. „Wenn man das großflächig fördern möchte, muss das aus einem EU-Topf kommen. Das kann keine Stiftung leisten. Da reden wir dann von mehreren Millionen Euro", so Hirsch.
Das fertige Raumkonzept für die Region Hochrhein umfasst jetzt gut 27 Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen, hauptsächlich aus den Bereichen Landschaft, Siedlung, Verkehr und Zusammenarbeit. Warum daran die Robert Bosch Stiftung nicht mehr mit einer weiteren Förderung beteiligt sein wird? „Dafür braucht es jetzt die Gemeinde oder den Kanton oder den Landkreis, der konkret diese Projekte umsetzt und dort drin eventuell wiederum Bevölkerungsbeteiligung macht", so Leypoldt. Sein Fazit fällt bezüglich der Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung fällt deshalb deutlich aus: „Ich würde es jederzeit wieder machen. Momentan haben wir kein weiteres Projekt, aber wenn das Programm Common Ground weitergehen sollte, nach der zweiten Phase vielleicht noch eine dritte kommt und wir ein passendes Projekt haben, kann ich mir vorstellen, dass wir uns dann wieder um Fördermittel bemühen werden."