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© FreeTheBees

Herr Fabian, Sie sind Vorstandsmitglied bei FreeTheBees. Bevor wir über die Organisation sprechen, würden wir gerne mehr darüber erfahren, wie es dazu gekommen ist, dass Sie sich heute für Bienen einsetzen?

Ich habe vor etwa 20 Jahren eine Ausbildung zum Imker gemacht. Mir kamen verschiedene Tätigkeiten recht merkwürdig und gegen die Natur gerichtet vor. Selbst ein tiefergehendes Hinterfragen der Tätigkeiten meines Imker-Göttis konnte mein Unbehagen nicht beseitigen: Meine Fragen konnten nie zufriedenstellend im Sinne des Bienenschutzes beantwortet werden.

Eines Morgens las ich in der Zeitung: Guerilla-Imker wollen Bienen wieder auswildern. Ich war sofort Feuer und Flamme und kontaktierte den Gründer André Wermelinger. Dies war dann der Startpunkt meiner Aufgaben mit FreeTheBees, anfangs als Finanzverantwortlicher und dann ab 2019 zusätzlich verantwortlich für das Fundraising. Es kamen unglaublich spannende Jahre und Herausforderungen. Die Lernkurven waren stets beeindruckend.

FreeTheBees setzt sich für Bienen ein, wie man unschwer aus dem Namen ableiten kann. Wie geht es den Bienen in der Schweiz heute?

Die einstig rund 600 Bienenarten in der Schweiz sind stark dezimiert. 10% der Arten sind bereits ausgestorben, 45% sind gefährdet und werden ohne Gegenmassnahmen aussterben. Die Honigbiene ist eine dieser Wildbienenarten, wenn auch eine ganz besondere. Sie ist Wild- und Nutztier zugleich. Als Wildtier steht sie kurz vor dem Aussterben und wird ausser von FreeTheBees weder geschützt noch gefördert. Im Gegenteil: Durch die konventionelle Imkerschaft und übereifrige Bieneninspektoren von den Veterinärämtern wird sie sogar aktiv vernichtet. Als Nutztier wird sie in übermässig hoher Dichte und nicht artgerecht gehalten und zur reinen Honiggewinnung richtiggehend ausgenutzt. Das unschöne Resultat zeigt sich in der Gesundheitssituation der Honigbienen und in einer ansteigenden Behandlungsintensität seitens der Imkerschaft.

Letzten Sommer hiess es im SRF DOK, dass es in Schweizer Städten zu viele Bienen gäbe aufgrund vieler Hobby-Imker/innen. Das gefährdet – gemäss des Berichtes – die Biodiversität. Wie sehen Sie das? Müsste man nun wieder die Zahl der Imker/innen reduzieren oder was wäre der sinnvollste Ansatz?

Ja, das ist korrekt. Bienen ganz allgemein können in landwirtschaftlich dominierten Gegenden nur noch begrenzt überleben. Einige der Wildbienenarten ziehen sich in die Stadt zurück, wo die pflanzliche Biodiversität und die Habitatstrukturen noch besser sind als auf dem Land. Nun zeigt sich zwischen den in Überzahl gehaltenen Honigbienen und den schützenswerten Wildbienenarten eine Konkurrenzsituation in Bezug auf Nahrung. Als zusätzlich negativer Effekt ist die Krankheitsübertragung von den imkerlich gehaltenen Bienen auf die wildlebenden Honigbienen zu nennen. Halten also vermehrt Lifestyle-Stadt-Imker Honigbienen auf die konventionelle Art, wird die Honigbienendichte und damit die Konkurrenz- und Verseuchungssituation zunehmend grösser. Als Lösung schlagen wir vor, Bienenvölker naturnah oder ganz natürlich zu halten, entlang unserer Imkermethodik. Dabei kann zwar kein Honig mehr generiert werden, aber die Bienenvölker sind auch bedeutend kleiner. Wer will, kann die Methoden natürlich kombinieren und bspw. mit einem Volk trotzdem Honig gewinnen. Auch hierfür haben wir eine Methode entwickelt, die wir «Extensiv» nennen, als Alternative zur weitläufig praktizierten intensiven Honigimkerei. Extensiv betrieben kommen wir gänzlich ohne chemische Behandlungsmittel aus, haben eine fast ebenbürtigen Honigertrag und gesündere Bienen. Wir müssen die Anreize für die Imkerinnen und Imker auf die Bestäubungsleistung ausrichten und nicht auf den Honig. Das wäre ökologisch und ökonomisch sinnvoller und würde die Bienendichte ganz von selbst regeln.

Wie genau steht FreeTheBees zur Produktion und dem Konsum von Honig?

Wir Menschen wollen, müssen und dürfen uns von der Natur ernähren. Aber halt nur bis zu jenem Punkt, an dem unsere natürlichen Ressourcen nicht unwiederbringlich zerstört werden. Bei der Honigbiene und dem Honig haben wir diesen Punkt längst überschritten. Wir setzen uns dafür ein, dass die Konsumenten eines Tages wieder mit gutem Gewissen Honig konsumieren können. Honig von glücklichen Bienen aus artgerechter Haltung.

Und wie vorher schon einmal erwähnt, stünde selbst im Rahmen einer ökonomischen Betrachtung die Erbringung der Bestäubungsleistung im Vordergrund, nicht die maximale Ertrags-Erwirtschaftung von Honig.

Eine Frage aus persönlichem Interesse: Inwieweit korreliert das Wohlergehen der Bienen mit dem Wohlergehen anderer Bestäuber? Haben Sie dazu Kenntnisse?

In meinen Augen haben wir es mit einem wahrhaftigen Insektenproblem zu tun, nicht «nur» mit einem Bienenproblem. Alles ist mit allem verknüpft. Die Honigbienen sind wunderbare Bio-Indikatoren. Wir können anhand eines einzigen wissenschaftlich überwachten Bienenvolkes sehr viel über den Zustand der lokalen Natur aussagen, bspw. indem wir Honig- und Pollenanalysen machen, aber genauso zig Arten von Umweltgiften detektieren können. Wo Honigbienenvölker nicht mehr ohne Imker überleben können, ist lokal das Habitat im Umkreis von mehreren Kilometern gestört und das Überleben auch unzähliger anderer Pflanzen- und Tierarten problematisch.

FreeTheBees setzt verschiedene Projekte um. Welche Projekte stehen aktuell an?

Mit unseren Projekten können wir einen Unterschied für unsere Bienen machen. Mit dem Baumhöhlenprojekt schaffen wir ökologisch wichtige Habitate. Mit dem Schulungs- und Sensibilisierungsprojekt bilden wir mit Hilfe von Vorträgen, Weiterbildungen, Kursen, internationalen Konferenzen und verschiedenen Kommunikationsmassnahmen Transparenz. Unser Swiss BeeMapping Projekt überwacht und erforscht aktuell 275 wildlebende Bienenvölker wissenschaftlich. Und auf unserem neuen Bienenerlebnispfad machen wir erstmals auch Jugendumweltbildung.

Wie kann man Ihre Organisation unterstützen? Gibt es die Möglichkeit einzelne Projekte zu fördern bzw. an einzelne Projekte zu spenden?

Wir finanzieren uns zu 60% aus Stiftungserträgen. Diese sind stets projektgebunden. Die restlichen Beiträge kommen von Privatgönnern und langjährigen Freunden von FreeTheBees. Besonders wichtig sind für uns auch unsere rund 250 Mitglieder, die unseren Verein zusätzlich mit einer jährlichen Spende finanziell unterstützen. Auch Legate nehmen zunehmend eine wichtige Stellung im Ertragsportfolio ein. Am 14. April 2024 wird unser «Entdeckungspfad der freilebenden Honigbienen» in Vaulruz offiziell eröffnet. Zahlreiche Medien werden dort auch vertreten sein, eine ideale Gelegenheit uns unverbindlich kennenzulernen!

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Stiftungen und Firmen für Ihre Organisation?

Sehr wichtig, ohne diese Institutionen wäre unsere Mission nicht umsetzbar. Wir laden regelmässig zu Gönneranlässen ein, wo Stiftungen, Firmen und Privatgönner unsere Organisation und Projekte hautnah erleben können. In diesem Jahr werden wir am 8. August in Etziken (SO) wieder einen solchen Anlass anbieten. Bei einer gemütlichen Zusammenkunft lässt sich auch mehr Vertrauen und Erkenntnisgewinnung erwirken. Es wird dann schnell klar, dass mit FreeTheBees wirklich “Grün” gemeint ist.

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