Thomas Först
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Thomas Först, Sie sind Leiter Strategische Partnerschaften der Suyana Foundation. Worin besteht genau Ihre Aufgabe?
Als Leiter Strategische Partnerschaften der Suyana Foundation initiiere und gestalte ich gezielt Kooperationen, um die langfristige Sicherung und kontinuierliche Weiterentwicklung unserer internationalen Projekte in Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft zu ermöglichen. Mein Fokus liegt darauf, das Wachstum unserer Programme zu fördern, um noch mehr Menschen, Familien und Gemeinden auf ihrem Weg zu besseren Lebensbedingungen wirksam zu unterstützen. Seit 2023 identifiziere ich mit meinem Team passende Förderstiftungen, Unternehmen und öffentliche Institutionen, mit denen wir inhaltliche und operative Kooperationen entwickeln. Dabei legen wir grossen Wert auf eine wirtschaftliche Betrachtung der Ansätze, um für beide Seiten optimalen Nutzen zu schaffen. Besonders mit Schweizer Unternehmen in unseren Einsatzländern erzielen wir Synergien, indem wir ihre Ziele mit unseren Projektanforderungen verbinden. Diese Kooperationen umfassen die Bereitstellung technischen Know-hows, die Förderung lokaler Ausbildungen sowie den Wissensaufbau in unseren Teams und Gemeinden. Zudem suchen wir Partner aus der Privatwirtschaft, die zum einen die finanzielle Nachhaltigkeit unserer Programme stärken oder durch Produktspenden, wie zum Beispiel technisches Equipment für Gesundheitsprogramme, unsere Arbeit für die Gemeinden unterstützen. Wir nutzen dabei gezielt lokale Programmbudgets der Unternehmen und binden deren soziales Engagement effektiv in unsere Programme ein. Ergänzend arbeiten wir eng mit Förderstiftungen in der Schweiz zusammen, die unsere Zielregionen und Themen finanziell unterstützen möchten. Dieser Ansatz wird durch die enge Kooperation unserer lokalen Teams mit den jeweiligen lokalen Behörden und Universitäten verstärkt, wodurch wir Programme implementieren, die auf die kulturellen und rechtlichen Gegebenheiten vor Ort abgestimmt sind. Bereits im ersten Jahr hat dieser Ansatz neue Partnerschaften hervorgebracht und diesen ermöglicht, aktiv zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung in unseren Zielregionen beizutragen.

Was sind die Hauptziele Ihrer Stiftung, und wie tragen diese zur Gesellschaft bei?
Die Suyana Foundation setzt sich seit mehr als 20 Jahren dafür ein, die Lebensbedingungen von Menschen in benachteiligten ruralen Regionen nachhaltig zu verbessern. Unser ganzheitlicher Ansatz vereint die Bereiche Gesundheit, Bildung und nachhaltige Lebensgrundlagen, um langfristige, selbsttragende Gesellschaftsstrukturen zu schaffen. Wir sind in sieben Ländern aktiv, darunter in der Schweiz und mehreren Ländern in Afrika sowie in Lateinamerika. Im Gesundheitsbereich zum Beispiel fördern wir Prävention und Zugang zur Versorgung, etwa durch Programme wie „Zero Caries“, das die Mundgesundheit in Gemeinden verbessert und auch Prävention und gesunde Ernährungspraktiken fördert. In der Bildung unterstützen wir die bestehenden Unterrichtsinfrastrukturen und schaffen Programme, die Kindern und Jugendlichen bessere Perspektiven bieten. Zudem unterstützen wir Gemeinden bei der Entwicklung wirtschaftlicher Resilienz durch nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken und die Förderung lokaler Vermarktungsansätze. Durch die enge Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen und lokalen Partnern stellen wir sicher, dass unsere Projekte auf die Bedürfnisse der Gemeinschaften abgestimmt sind und mit Entwicklungszielen übereinstimmen. Unser „local for local“-Modell fördert die aktive Beteiligung der Menschen vor Ort und ermöglicht ihnen, Verantwortung für ihre eigene Entwicklung zu übernehmen und gleichzeitig das Vertrauen zugunsten der gemeinsamen Arbeit fördern. Das schaffen wir auch aufgrund unserer lokalen Mitarbeitenden in Lateinamerika sowie durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen in Afrika und in Griechenland.

Welche Strategien verfolgen Sie, um potenzielle Sponsoren für Ihre Stiftung zu gewinnen?
Um neue Partner zu gewinnen, setzen wir auf einen Ansatz, welcher einen gegenseitigen Nutzen bieten soll. Mit individualisierten Kooperationsmodellen sprechen wir gezielt Unternehmen an, insbesondere Schweizer Firmen, die neben ihrer wirtschaftlichen Zielen Wert auf soziales Engagement und dadurch auf die Stärkung ihrer lokalen Reputation legen. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist dabei die genaue Analyse lokaler Bedürfnisse und die gezielte Ansprache des Unternehmensmanagements. Durch ein fundiertes Verständnis ihrer Marktsituation entwickeln wir gemeinsam Ansätze, wobei wir dabei stets den Kern unserer Arbeit im Fokus behalten. Die gebotene Transparenz sowie die gemeinsame Nutzung von Kommunikationskanälen stärken dabei das Vertrauen der Partner und erhöhen die Sichtbarkeit der Kooperation nach aussen. Dadurch schaffen wir nicht nur nachhaltige Partnerschaften, sondern wecken zugleich das Interesse weiterer potenzieller Partner.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie bei der Suche nach Sponsoren konfrontiert?
Die Suche birgt diverse Herausforderungen, da die Stiftung erst vor Kurzem damit begonnen hat, die Schnittstelle zwischen Philanthropie und Privatwirtschaft aktiv zu nutzen. Dies bedeutet, dass wir uns zunächst in diesem Ökosystem positionieren und etablieren mussten. Ein zentraler Schritt war die Entwicklung einer Partnerstrategie, um festzulegen, welche unserer Themen und Programme sich überhaupt für solche Kooperationsmodelle eignen, da nicht alle Programme und Projekte den gleichen Reifegrad aufweisen, wodurch sie sich nicht immer direkt mit den Wünschen der Partner übereinstimmen lassen. Dies erforderte in der Initialphase eine intensive Abstimmung sowie ein fundiertes Verständnis der Bedürfnisse und der Ziele der Unternehmen, um passende Kooperationsmodelle zu entwickeln.

Die Sicherstellung langfristiger Partnerschaften bleibt eine Herausforderung, da unsere Projekte auf Nachhaltigkeit und langfristige Wirkung ausgelegt sind. Aufgrund wirtschaftlicher Entwicklungen in den Ländern können aber solche Projekte bei Unternehmen schnell an Priorität verlieren, was das gemeinsame Projekt gefährden kann. Um dem entgegenzuwirken, setzen wir auf eine Zusammenarbeit, die auf einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren ausgelegt ist und diverse Modelle beinhaltet, die flexibel angepasst werden können.

Auch müssen wir immer wieder die Interessen potenzieller Sponsoren mit den Zielen unserer Programme in Einklang bringen. Dies erfordert kreative Ansätze, um eine Win-win-Situation zu schaffen, ohne unsere Kernaufgaben und Ziele zu gefährden. Zusätzlich verlangt die Begleitung der Partnerschaften, insbesondere zwischen lokalen Gesellschaften und Headquarters und der hohe Anspruch an Transparenz und Wirkungsnachweise, zusätzlichen Koordinationsaufwand. Trotz dieser Hürden sehen wir in diesem Modell grosses Potenzial.

Welche Vorteile bieten Sie Sponsoren, die Ihre Stiftung unterstützen?
Partner, die unsere Stiftung unterstützen, profitieren von vielfältigen Vorteilen. Ein zentraler Mehrwert ist ihre aktive Beteiligung an der sozialen Wirkung unserer langjährig erfolgreichen Programme in den Bereichen Gesundheit, Bildung und nachhaltige Lebensgrundlagen. Wir dokumentieren die Fortschritte regelmässig, sodass unsere Partner ihren Beitrag sichtbar machen und gezielt kommunizieren können. Darüber hinaus stärkt die Partnerschaft ihre lokale Reputation in den Zielmärkten, da sie ihr soziales Engagement glaubwürdig hervorheben und ihre Verantwortung gegenüber der lokalen Bevölkerung unterstreichen.

Unsere Partner können ihr Engagement in drei Dimensionen einbringen: durch die Bereitstellung von Know-how, Sachspenden oder finanzieller Unterstützung spezifischer Projektmodule. Idealerweise umfasst die Zusammenarbeit alle drei Bereiche, um maximale Wirkung zu erzielen. Zudem erarbeiten wir gezielte Marketing- und Kommunikationsstrategien, um die gemeinsamen Erfolge sichtbar zu machen und das soziale Engagement des Partners authentisch nach aussen zu tragen.

Mit unserer Arbeit können wir einiges unseren Partnern bieten unter anderem auch Arbeitsbesuche vor Ort in welchen wir je nach Thema und Inhalt das Partner Know- How einbringen können.

Können Sie uns von einer besonders erfolgreichen Sponsoring-Kampagne berichten?
Eine erste erfolgreiche Zusammenarbeit ist unsere 2024 gestartete Partnerschaft mit Curaden für Peru. Ziel dieser Kooperation ist es, die Zahngesundheit in abgelegenen Gemeinden der Regionen Apurímac, Cusco und Puno nachhaltig zu verbessern. Dank der wertvollen Unterstützung von Curaden konnten wir unsere mobile zahnmedizinische Flotte mit zusätzlichem Material ausrüsten und gleichzeitig spezielle Schulungsmodule für Fachkräfte, unsere Zahnärzte sowie Mitglieder der Gemeinden entwickeln und anbieten.

Die Kooperation erstreckt sich auf zwei wesentliche Bereiche: Einerseits wurden wir mit hochwertigen Zahnpflegeprodukten für unser Jahresprogramm ausgestattet, andererseits organisierte Curaden gezielte Fortbildungen für unsere Teams sowie für die von uns unterstützten Public-Health-Einrichtungen vor Ort. Diese erhielten aktuelles Fachwissen zu innovativen Prophylaxe-Konzepten sowie praktische Hilfsmittel und Lernmaterialien, die sie in ihrer täglichen Arbeit einsetzen können. Ein weiterer Höhepunkt war der Zahnhygiene-Workshop an unserer Suyana-Schule in Cusco, bei dem Schüler Zahnhygiene-Kits erhielten und in praktischen Übungen zu richtiger Zahnpflege angeleitet wurden.

Die Partnerschaft fördert durch die Kombination von Produktspenden und Weiterbildungen langfristige Verbesserungen in der Zahngesundheit der Gemeinden. Gleichzeitig konnte Curaden seine Position als verantwortungsvoller Partner stärken und seine Verbundenheit mit den Menschen vor Ort sichtbar machen. Die Erfolge konnten wir gemäss unserer vereinbarten Kommunikation und Marketingmassnahmen entsprechend gemeinsam kommunizieren und auch lokale Behörden und Akteure aus dem Gesundheitswesen hierfür aktiv einbinden.

Wir werden in diesem neuen Jahr ähnliche Kooperationen auch für den Bereich Bildung und nachhaltige Landwirtschaft lancieren, worüber wir uns bereits jetzt schon sehr freuen. Bis eine solche Partnerschaft nämlich entsteht kann es schon mal 6 – 9 Monate dauern.

Wie pflegen Sie die Beziehungen zu Ihren bestehenden Sponsoren?
Wir pflegen unsere Partnerschaften durch persönliche Kommunikation, transparente Berichterstattung und regelmäßige Informationen über neue Projektmöglichkeiten, die Potenzial für eine gemeinsame Umsetzung bieten. Zudem laden wir unsere Partner aktiv zu Veranstaltungen und Programminitiativen vor Ort ein, damit sie die Wirkung ihres Engagements direkt erleben und sich bei Bedarf an der Umsetzung beteiligen können. Perspektivisch planen wir, Partner aus der Privatwirtschaft zu gemeinsamen Entwicklungssessions einzuladen, um gemeinsam an Lösungen für verschiedene Themen und Herausforderungen zu arbeiten. Die Betreuung dieser Partnerschaften erfordert zwar eine intensive Koordination und erhebliche personelle Ressourcen, doch die positiven Ergebnisse bestätigen, dass sich dieser Aufwand bereits für uns auszahlt.

Welche Rolle spielen persönliche Netzwerke und Kontakte bei Ihrer Sponsorensuche?
Persönliche Netzwerke und Kontakte spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung unserer Partnerschaftsambition. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung in der Privatwirtschaft und Beratung verfüge ich über ein weitreichendes Netzwerk zu Unternehmen, welches ich gezielt nutzen kann, um Partner in der Schweiz sowie im Ausland anzusprechen. Dies in Kombination mit der langjährigen Erfolgsgeschichte der Stiftung, welche seit mehr als 20 Jahren im Einsatz ist, funktioniert der Ansatz gut. Dabei ist der Aufbau von Vertrauen und das Verständnis der gemeinsamen Ziele für diese Beziehungen essenziell. Zudem erleichtert ein direkter persönlicher Zugang die Identifikation von Schnittstellen zwischen den Interessen der Partner und unseren Programmen, was den Erfolg unserer Kooperationsstrategien massgeblich steigert. Auch konnten wir über die Schweizer Institutionen und Organisationen vor Ort ausgezeichneten Zugang zu lokalen Firmen erhalten, was die Arbeit wesentlich erleichtert.

Inwiefern beeinflussen Trends und aktuelle Entwicklungen im Fundraising Ihre Strategien?
Trends im Fundraising beeinflussen zweifellos unser Vorgehen, ich denke da insbesondere an das zunehmende Zusammenspiel zwischen Philanthropie und der Privatwirtschaft. Immer mehr Unternehmen suchen sowohl das klassische Sponsoring hinaus als auch weitere Kooperationsmodelle, die sowohl geschäftlichen Mehrwert als auch soziale Wirkung bieten. Wir sehen darin großes Potenzial für die Weiterentwicklung unserer Stiftung.

Ein weiterer entscheidender Trend ist die steigende Erwartung an Transparenz und messbare Wirkung. Dies hat dazu geführt, dass wir unseren Ansatz stärker auf datenbasierte Berichterstattung ausgerichtet haben, um die erzielten Erfolge klar aufzuzeigen und darauf aufbauend neue Partnerschaften zu gewinnen. Dieser Ansatz erfordert Zeit und eine langfristige Perspektive, da nachhaltige Kooperationen über punktuelle Maßnahmen und kurzfristige Engagements hinausgehen müssen, um echten Mehrwert zu schaffen.

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Sponsoring-Aktivitäten?
Der Erfolg unserer Aktivitäten wird durch eine Kombination von quantitativen und qualitativen Indikatoren gemessen. Bereits in der Erwartungsklärung definieren wir gemeinsam Ziele und Erfolgsindikatoren. Dabei vergleichen wir die Ergebnisse mit der Ausgangssituation und passen, wenn notwendig, gemeinsam den weiteren Weg an. Ein zusätzlicher Erfolgsfaktor ist die gewünschte Sichtbarkeit. Wir überprüfen die Einhaltung vereinbarter Kommunikationsmassnahmen, um sicherzustellen, dass das Engagement des Partners angemessen sichtbar wird. Auch wollen wir die Programme über die Laufzeit der gemeinsamen Partnerschaft hinaus sichern. Dies gelingt, indem wir immer wieder neue Partner gewinnen. Darüber hinaus achten wir auf Netzwerkeffekte: Wir messen, ob durch die Partnerschaft neue Kooperationen und Folgeprojekte initiiert wurden, die die gemeinsame Wirkung weiter stärken.

Das Gespräch führte Dr. Dr. Elisa Bortoluzzi Dubach. Sie ist Stiftungs- und Sponsoringberaterin, Autorin sowie Dozentin (www.elisabortoluzzi.com)

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