Stiftungen in Liechtenstein
Entdecken Sie 2'504 Stiftungen und Förderorganisationen in Liechtenstein. Schwerpunkte: Kultur und Kunst, Bildung, Umwelt & Naturschutz.
Stiftungsreport Liechtenstein: Philanthropisches Potenzial und Registerstrukturen
In Liechtenstein hat Philanthropie eine lange Tradition. Eine ausgeprägte Kultur des Gebens und stabile Institutionen fördern das gesellschaftliche Engagement nachhaltig. Das Center für Philanthropie der Universität Liechtenstein hat nun den ersten umfassenden Philanthropiereport für Liechtenstein veröffentlicht. Diese wissenschaftliche Bestandesaufnahme schliesst eine lange bestehende Datenlücke und bietet erstmals eine systematische, fundierte Gesamtschau des Stiftungs- und Vereinssektors.
Fundraiso.ch hat die Forschungsarbeiten als Datenpartner massgeblich unterstützt und nutzt die wertvollen, neu gewonnenen Erkenntnisse dieses Reports, um die nachfolgenden Strukturdaten, geografischen Schwerpunkte und die Evolution des Stiftungswesens im Fürstentum transparent aufzuzeigen.
Stiftungsverzeichnis Liechtenstein: Hürden und digitale Lösungen
Ein offizielles, frei zugängliches und inhaltlich detailliertes Stiftungsverzeichnis Liechtenstein existiert in dieser Form ausschliesslich innerhalb des liechtensteinischen Handelsregisters (Öffentlichkeitsregister). Hier zeigt sich ein fundamentaler Unterschied zur Schweiz: Während in der Schweiz der Zweck einer steuerbefreiten Stiftung im Register frei einsehbar ist, veröffentlicht das liechtensteinische Handelsregister standardmässig nur die Kern-Stammdaten wie Name, Repräsentanz, Gründungsdatum und Zustelladresse. Der konkrete Förderzweck wird im staatlichen Stiftungsverzeichnis Liechtenstein nicht publiziert.
Entsprechend schwer sind viele Stiftungen von aussen zu durchschauen. Ohne tiefere Einblicke bleibt das tatsächliche gemeinnützige Potenzial unsichtbar.
Die Brücke durch fundraiso.ch
Um diese Intransparenz zu überwinden, bietet fundraiso.ch einen gezielten, systematischen Zugriff auf die liechtensteinische Stiftungslandschaft. Durch eine kontinuierliche und systematische Vollerhebung seit 2016 – gestützt auf die Auswertung des amtlichen Publikationsorgans (Handelsamtsblatt) sowie die enge Kooperation mit der Stiftungsaufsichtsbehörde Liechtenstein (STIFA) – speist fundraiso.ch die entscheidenden Daten ein.
Nutzerinnen und Nutzer erhalten so Zugriff auf die im Handelsregister eingetragenen Stiftungen inklusive ihres realen Zwecks. Hier geht es zu den Abos.
Marktanalyse: Wie viele Stiftungen gibt es in Liechtenstein?
Das Liechtensteinische Personen- und Gesellschaftsrecht (PGR) unterscheidet strikt zwischen privatnützigen und gemeinnützigen Stiftungen. Für eine fundierte Analyse greift eine rein steuerrechtliche, enge Definition von «Ausschliesslich Gemeinnützig» jedoch zu kurz. Auch Mischformen und privatnützige Strukturen mit philanthropischen Klauseln bergen erhebliches Potenzial für das Gemeinwohl.
Wie der Philanthropiereport des Centers für Philanthropie aufzeigt, umfasst das gesamte philanthropische Potenzial alle im Handelsregister eingetragenen Organisationen, deren Statuten zumindest teilweise gemeinnützige Aktivitäten zulassen.
Sektor-Struktur (Stichtag: 31. Dezember 2024)
Zum Jahresende 2024 verzeichnete der liechtensteinische Sektor insgesamt 1'780 im Handelsregister eingetragene Stiftungen mit philanthropischem Zweck. Dieses Potenzial verteilt sich wie folgt:
| Stiftungsform nach Hauptzweck | Gesamtbestand im Register | Davon mit philanthropischer Komponente |
|---|---|---|
| Überwiegend gemeinnützige Stiftungen | 1'398 | 1'398 |
| Überwiegend privatnützige Stiftungen | 382 | 166 |
| Gesamtes philanthropisches Potenzial | 1'780 | 1'564 |
Hinweis zur Datenbereinigung: Von den 1'564 Stiftungen mit philanthropischem Zweck befinden sich per Ende 2024 genau 60 Organisationen im Liquidationsverfahren. Bereinigt um diese auslaufenden Strukturen ergibt sich ein Kern von 1'504 tatsächlich aktiv tätigen philanthropischen Stiftungen.
Wachstumstrend und Entwicklung des Sektors
Mit dem Nettozuwachs von 13 philanthropischen Stiftungen im Jahr 2024 (2023 lag das Plus bei 19) setzt sich der positive Wachstumstrend der vergangenen drei Jahre fort. Nach einem pandemiebedingten Knick im Zeitraum 2020/2021, als die Löschungen die Neueintragungen kurzzeitig überstiegen, hat sich der Sektor auf einem stabilen, moderaten Wachstumspfad eingependelt.
Gleichzeitig hat die Zahl der historisch stark vertretenen, nicht registrierten reinen Familienstiftungen im letzten Jahrzehnt drastisch abgenommen: Wurden 2014 noch über 20'000 nicht eingetragene Stiftungen geschätzt, so liegt diese Zahl heute im mittleren einstelligen Tausenderbereich (ca. 7'600). Gemeinnützige Aktivitäten erfordern ohnehin zwingend die Eintragung.
Geografische Verteilung: Die Cluster der Dienstleister
Die regionale Verteilung der philanthropischen Stiftungen innerhalb Liechtensteins folgt nicht der Wohnbevölkerung, sondern spiegelt präzise die Konzentration der Treuhandunternehmen, Anwaltskanzleien und Banken wider, die mit der Verwaltung und Repräsentanz betraut sind. Neben internationalen Akteuren nutzen auch viele Einheimische diese stabilen Institutionen.
Die Ballung im Oberland ist augenfällig, wobei die Gemeinde Planken die einzige Gemeinde des Landes bleibt, in der keine einzige philanthropische Stiftung registriert ist.
- Vaduz (Hauptstandort): Das unbestrittene Epizentrum des liechtensteinischen Stiftungswesens. Hier schlägt das Herz der Finanz- und Treuhandbranche.
- Schaan und Triesen: Folgen mit deutlichem Abstand auf den Plätzen zwei und drei, weisen jedoch aufgrund etablierter Wirtschaftskanzleien ebenfalls eine signifikante Stiftungsdichte auf.
- Unterland & Randgemeinden: In Gemeinden wie Ruggell, Eschen, Mauren oder Balzers ist die Präsenz spürbar geringer und primär durch lokale KMU-Stifter oder spezialisierte Nischen-Treuhänder geprägt.
Endlichkeit statt Ewigkeit: Der Wandel der Lebensdauer
Das klassische Idealbild der Stiftung, die «auf ewig» errichtet wird, bröckelt in der Praxis zunehmend. Zeitlich begrenzte, verzehrende oder thema-fokussierte Stiftungsmodelle gewinnen an Boden.
- Durchschnittliche Lebensdauer: Philanthropische Stiftungen in Liechtenstein, die im Zeitraum zwischen 2020 und 2024 gelöscht wurden, wiesen eine durchschnittliche Lebensdauer von lediglich 11,7 Jahren ab Eintragung auf.
- Die 20-Jahre-Schwelle: Nur gerade 12% der gelöschten Stiftungen bestanden länger als zwei Jahrzehnte.
- Demografie der aktiven Stiftungen: Demgegenüber steht das Durchschnittsalter der aktuell noch aktiven Stiftungen, welches bei 14,6 Jahren liegt. Obwohl die älteste aktive Institution des Landes aus dem Jahr 1932 stammt (über 90 Jahre alt), sind rund 80% aller aktiven philanthropischen Stiftungen jünger als 20 Jahre. Der Sektor ist somit erstaunlich jung.
Thematische Ausrichtung: Was Liechtensteins Stiftungen fördern
Die statistische Auswertung des Centers für Philanthropie offenbart, welche gesellschaftlichen Themen im Fokus stehen und wie sich die Prioritäten bei Neugründungen (letzte 10 Jahre) verschieben.
Förderbereiche im Vergleich
| Förderbereich | Anteil am Gesamtbestand (N = 1'564) | Anteil bei Neugründungen (Letzte 10 Jahre) | Trendtendenz |
|---|---|---|---|
| Soziales (Armut, Integration, Teilhabe) | 19,3% | 18,6% | Konstant hoch |
| Wissenschaft & Forschung | 14,0% | 14,1% | Stabil |
| Kunst & Kultur | 13,9% | 12,9% | Leicht rückläufig |
| Umwelt & Klimaschutz | 9,9% | 11,5% | Steigend |
| Entwicklungs- & Katastrophenhilfe | 9,3% | 9,8% | Steigend |
Klassische Bereiche wie Bildung und Gesundheit verlieren auf strategischer Ebene leicht an relativem Gewicht, was auf die starke staatliche Abdeckung in diesen Sektoren zurückzuführen sein dürfte. Dafür rücken globale Krisen (Klima, Nachhaltigkeit, internationale Solidarität) stark in den Fokus der Stifterinnen und Stifter.
Spezialisierung vs. Generische Zwecke
- Trend zur Fokussierung: Ein Grossteil der Stiftungen verfolgt eine gezielte Spezialisierung: Über 55% aller philanthropischen Stiftungen konzentrieren sich konsequent auf eine einzige Zweckkategorie. Weitere 13% kombinieren zwei Bereiche. Insgesamt beschränken sich somit 68% der Stiftungen auf nur ein oder zwei Themenfelder.
- Generische Barrieren: Demgegenüber nutzen rund 14% der Stiftungen extrem breit angelegte, «generische» Zweckformulierungen (oftmals Kopien der gesetzlichen Rahmenbestimmungen des PGR), die sechs bis neun Zweckkategorien abdecken. Insgesamt 358 Stiftungen im Register verzichten auf jede konkrete inhaltliche Spezifizierung, was die zielgerichtete Ansprache im Fundraising erschwert.
Geografischer Wirkungskreis: Spitzenrang im GPEI
Die internationale Verflechtung des Finanzplatzes bildet sich eins zu eins in den Stiftungsstatuten ab und unterstreicht Liechtensteins globale Offenheit:
- 60% der Stiftungen machen in ihren Statuten keinerlei geografische Einschränkung – sie agieren vollkommen offen und opportunitätsgetrieben sowohl im Inland als auch im Ausland.
- Nur eine winzige Minderheit von 3% (53 Stiftungen) beschränkt ihr Wirken satzungsgemäss ausschliesslich auf das Inland (Fürstentum Liechtenstein). Diese reinen Inlandsstiftungen engagieren sich primär im klassischen sozialen Nahbereich.
- Exzellente Rahmenbedingungen: Diese Internationalität wird durch die politischen Strukturen gestützt. Liechtenstein belegt zum zweiten Mal nach 2022 den ersten Rang im Global Philanthropy Environment Index (GPEI) 2025. Diese weltweite Spitzenposition bestätigt die besonders förderlichen rechtlichen, steuerlichen und gesellschaftlichen Bedingungen des Landes.
Praxis-Tipps für das Fundraising in Liechtenstein
Da ein Grossteil des philanthropischen Kapitals über professionelle Dienstleister in Vaduz, Schaan und Triesen gesteuert wird, gelten für Fundraiser besondere Spielregeln:
- Der administrative Filter: Treuhänder und Kanzleien verwalten Stiftungen profitorientiert. Sie haben kein Interesse an administrativ aufwendigen Kleinstförderungen. Liechtensteinische Stiftungen tendieren daher dazu, lieber wenige hohe Beträge zu sprechen, anstatt viele kleine Summen zu verteilen.
- Individuelle Ansprache schlägt Giesskanne: Da Kanzleien mit standardisierten Gesuchen überschüttet werden, gehen ungezielte Anträge fast immer unter. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Identifikation jener Stiftungen, die via fundraiso.ch als thematisch spezialisiert (Ein-Zweck-Stiftungen) identifiziert wurden, um ein exakt passendes, professionelles Gesuch einzureichen.
Datenbasis und Quellennachweis
Die in diesem Report genutzten empirischen Struktur- und Erhebungsdaten basieren auf dem offiziellen Philanthropiereport Liechtenstein, herausgegeben vom Center für Philanthropie der Universität Liechtenstein. Ziel des Reports ist es, Wissen zu bündeln, Praxis und Wissenschaft zu verbinden und das philanthropische Wirken strategisch zu stärken.
Der vollständige Report ist über die Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen und Trusts (VLGST) zugänglich. Hier geht es zum vollständigen Report des Centers für Philanthropie.
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