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Seit der umfassenden Reform des Gemeinnützigkeitsrechts im Jahr 2024 ist ein spürbarer Schwung in den österreichischen Stiftungssektor gekommen. Vor allem gemeinnützige Stiftungen liegen im Trend. Im internationalen Vergleich lässt sich da aber immer noch einiges aufholen. Die guten Entwicklungen bei den Zahlen des österreichischen Stiftungssektors sollte man dabei entsprechend differenziert betrachten.

Die Wendigkeit, die Österreich mit der im Januar 2024 in Kraft getretenen Reform des Gemeinnützigkeitsrechts gezeigt hat, ringt einigen europäischen Nachbarstaaten durchaus Respekt ab. Insbesondere „die zehnjährige Vortragsmöglichkeit der Stiftungszuwendungen und die Überführung der bislang einjährig verlängerten Spendenabsetzbarkeit in Dauerrecht bieten fruchtbaren Boden für mehr philanthropisches Engagement." So ordnete Katharina Turnauer, Präsidentin Verband für gemeinnütziges Stiften in Österreich, die neuen Regelungen bereits zum Start ein. Und mittlerweile haben sich auch entsprechende Auswirkungen auf das Spenden- und Stiftungsrecht gezeigt. Die angepassten Rahmenbedingungen, besonders auch für Stiftungen, bieten ganz klar Anreize, die es so vorher nicht gab. Bereits in den ersten Jahren nach Gründung können Stiftungen etwa mit dem Stiftungskapital, nicht nur mit den Erträgnissen, gemeinnützige Zwecke fördern.

Bündnis für Gemeinnützigkeit

Ein Meilenstein auf diesem Weg war auch 2022 die Gründung des Bündnis für Gemeinnützigkeit, in dem mehr als 3000 Organisationen und 14 Dachverbände zusammengekommen sind. Stefan Wallner, Geschäftsführer des Bündnisses, ordnet das unmissverständlich ein: „Das neue Bündnis ist erstmals übergreifend für alle Arbeitsfelder des gemeinnützigen Sektors eine gemeinsame Interessenvertretung. Das Neue daran ist, dass die gemeinnützigen Stiftungen jetzt genauso vertreten sind wie die großen Dachverbände. Auch der Fundraising Verband Austria ist mit dabei, mit vielen Mitgliedern. Damit bekommt der Sektor ein ganz anderes Gewicht gegenüber der Politik."

Auch die Ausweitung und Vervollständigung der Spendenabsetzbarkeit hat das Bündnis weiter mit vorangebracht. Im Bildungsbereich, im Sport, in der Kultur, im Tierschutz, sogar in einigen Teilen bei den Menschenrechten klafften bis dato einige Lücken, die geschlossen werden konnten. Zuvor waren unter anderen Privatstiftungen in diesem Bereich benachteiligt. Auch sie profitieren von einer erleichterten Spendenabsetzbarkeit. Tatsächlich waren es Stiftungen, die den Treiber für die Weiterentwicklung der Spendenabsetzbarkeit insbesondere bei der Bildung ausgemacht haben, wie auch Günther Lutschinger weiß. Er ist Vorstandsmitglied des Bündnis für Gemeinnützigkeit, war mehr als 15 Jahre lang Geschäftsführer des Fundraising Verband Austria und ist seit Januar 2024 Geschäftsführender Vorstand des Verbands für gemeinnütziges Stiften in Österreich. Er war Teil des Beratergremiums, das die Reform des Gemeinnützigkeitsrechts in Österreich maßgeblich mitgestaltet hat.

Dementsprechend lobt er die neue Flexibilität, die Stifterinnen und Stifter inzwischen haben: „Viele, die stiften, überlegen sich oft nicht, was sie denn eigentlich in den nächsten fünf, zehn Jahren wollen. Hier möglichst viele Freiräume zu schaffen, war eine grundlegende Motivation."

Belegbares Wachstum

Entsprechend hat Günther Lutschinger 2024 einen Boom bei der Stiftungsgründung in Österreich prognostiziert. Und heute? Ein Wachstum ist belegbar, vor allem bei den gemeinnützigen Stiftungen. Waren es Mitte 2024 noch 760, lag ihre Zahl ein Jahr später bereits bei 800. Der Spendenbericht 2025 des Fundraising Verband Austria beziffert deren Zahl inzwischen sogar auf 945. Zwar existieren gemeinnützige Stiftungen in Österreich bereits seit dem 19. Jahrhundert, die erste war die „Stiftung Liechtenstein - Österreichische Sparkasse", aber eben wegen der wenig attraktiven stiftungsrechtlichen Rahmenbedingungen stockte die Entwicklung in diesem Bereich über lange Zeit. Konkret hieß das, dass bis Mitte 2025 in Österreich weniger als zehn Prozent der Stiftungen den Status der Gemeinnützigkeit hatten. Dem stand die Zahl von 90 Prozent in Deutschland gegenüber. Inzwischen liegen die Gemeinnützigen in Österreich aber schon bei gut einem Drittel.

Die aktuellen Zahlen für gemeinnützige Stiftungen in Österreich gehen allerdings nicht allein auf Neugründungen zurück. Denn ganz ähnlich wie in Deutschland, wo die Einführung eines zentralen, also bundesweit geführten Stiftungsregisters auf 2028 verschoben wurde, wurden auch in Österreich entsprechende Zahlen in der Vergangenheit nicht einheitlich erhoben. Schon allein die Frage danach, was als Stiftung gilt und was nicht, wie etwa (Stiftungs-)Fonds, ist noch Bestandteil aktueller Diskussionen. Ansteigende Zahlen sind demzufolge auch das Ergebnis erstmaliger systematischer Quellenerforschung. Konkret bestätigt Günther Lutschinger, dass eine geringere Anzahl an Stiftungsauflösungen kontinuierlichen Neugründungen gegenübersteht. Für das Jahr 2025 beziffert er dieses Wachstum mit 2,5 Prozent bzw. mindestens 20 neue Stiftungen, ohne eine einzige Stiftungsauflösung im Kalenderjahr. Gleichzeitig verweist Lutschinger auf die Beobachtung, dass seit 2012 mehr private, also nicht gemeinnützige Stiftungen im Land aufgelöst als neu gegründet würden.

Unzureichendes Engagement der Steuerbehörden

Bei der Verteilung der gemeinnützigen Stiftungen im Land „merkt man ganz starke regionale Cluster", wie Ruth Williams es beschreibt. Sie ist Geschäftsführerin des Fundraising Verband Austria und war mehrere Jahre lang Generalsekretärin des Verbands für gemeinnütziges Stiften. „Die mit Abstand meisten Stiftungen werden in Wien gegründet. In den Bundesländern nimmt ihre Zahl deutlich ab - mit Niederösterreich und Salzburg auf den Plätzen zwei und drei", stellt sie fest.

Die bisherige Einordnung, die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung sei in Österreich schwieriger als für eine andere Stiftungsform, relativiert Lutschinger: „Gesetzlich ist das gut geregelt. Hier gibt es eher ein Behördenversagen, wenn der Vollzug nicht binnen sechs Wochen erfolgt. Das Gesetz ließe sich zwar auch aufgrund neuer Erfahrungen nach zehn Jahren aktualisieren, aber ein Problem liegt tatsächlich auf Seiten der Behörden." Nicht fristgerechtes Handeln wird mitunter von „verhaltensauffälligen Meinungen" begleitet, wie Lutschinger es nennt: „Die Steuerbehörde greift derzeit immer wieder in das Stiftungsrecht ein, obwohl sie nur eine steuerliche Beurteilung machen darf. Das hat mit der Person zu tun, die das macht. Dagegen legen wir immer wieder Beschwerde ein."

Kein Anstieg des Spendenaufkommens

Die erleichterte Spendenabsetzbarkeit als attraktiver Aspekt ist mit Blick auf die Gesamtlage des gemeinnützigen Sektors auch ein zweischneidiges Schwert. Dadurch können zwar mehr Organisationen in strategisches Fundraising investieren, doch der Spendenkuchen wird bekanntlich nicht größer. Es ist nicht erkennbar, dass das Spendenaufkommen in den nächsten Jahren wachsen wird. Hinzu kommen auch in Österreich deutliche Kürzungen auf Seite der öffentlichen Hand. Ruth Williams nimmt da bereits Verschiebungen wahr: „Wenn eine neue Förderstiftung gegründet wird, ist es für den Fundraising-Sektor hochrelevant, sich zu fragen: Wie können wir hier Beziehungen aufbauen? Wo gibt es Anknüpfungspunkte zu unseren eigenen Aktivitäten? Und wie könnten wir als Organisation mit dieser Förderstiftung kooperieren?" Der Trend der Neugründungen von Stiftung ist demzufolge auch mit der Hoffnung verbunden, Potenzial für neue Partnerschaften heben zu können. Die Bündelung von Kräften betrachtet Williams auch einfach als Notwendigkeit, auch international. Nicht zuletzt deshalb lobt sie etwa auch den offenen Austausch mit dem Schweizer Stiftungsverband und begrüßt grenzüberschreitende Projekte wie das Netzwerk „Faktor D" zur Demokratiestärkung im deutschsprachigen Raum. „Stiftungen werden themenfokussierter, internationaler und kooperationsorientierter", so ihre Beobachtung.

Vier Trends im Stiftungssektor

Insgesamt hat der Fundraising Verband Austria im Stiftungssektor des Landes vier Trends identifiziert. Internationaler Fokus ist einer davon, sichtbar etwa in der Caritas Stiftung Österreich und in der Jugend Eine Welt Stiftung. Als Vorbild für diese Ausrichtung wird auch Liechtenstein angesehen.

Als zweiter Punkt sind verstärkt Stiftungen im Bereich Bildung und Wissenschaft wahrnehmbar, wie etwa die MEGA Bildungsstiftung. Hier sieht Ruth Williams eine Parallele zu Schweizer Entwicklungen.

Eine weitere Beobachtung ist der Trend zu Plattform-Stiftungen. Ein markantes Beispiel ist die neue Stiftung ÖSTERREICH HILFT ÖSTERREICH, die 2025 gegründet wurde und große NGOs und den ORF vereint. Das ist ein Modell, das verstärkt Kooperation und gemeinsame Wirkung in Krisensituationen ermöglicht.

Den Abschluss dieser Trends bilden corporate-nahe Stiftungen wie die ERSTE Stiftung, die zeigen, wie langfristige Unternehmensverantwortung, Kulturförderung und soziale Programme zusammenspielen können.

Mit Blick auf die Schweiz hat Österreich laut Lutschinger angesichts der geringen Größe des Marktes einige Modelle entwickeln können, die viel Flexibilät einräumen. „Der Gesetzgeber ist da oft liberaler als die Beamten, die das umsetzen müssen. Die Schweizer Behörden sind da kreativer", so Lutschinger. Gleichzeitig freut er sich, dass in Österreich im letzten Jahr der Stifterwille „massiv gestärkt" worden sei, wie auch „die Flexibilität, was der Stifter im Rahmen einer Stiftung tun kann". Hier könnten für den Schweizer Markt interessante Impulse liegen. Kooperationen mit ausländischen Stiftungen bestehen für Österreich bislang allerdings noch eher mit deutschen oder liechtensteinischen Stiftungen als mit solchen in der Schweiz.

Grenzüberschreitende Kooperationen

Beim letzten DACHLI‑Treffen der Stiftungsverbände im Januar in Wien waren entsprechende Möglichkeiten der Zusammenarbeit natürlich wiederholt Thema. Die Unterschiedlichkeiten in den Details und Strukturen der Sektoren in den einzelnen Ländern machen die Sache nicht einfach. Diskutiert wurde trotzdem, etwa auch über Social Bonds als soziale Innovationen.

„Vielleicht ist der wesentliche Unterschied zur Schweiz, dass wir in Österreich ein korporatistisches Modell haben, bei dem wir auch immer wieder an den Staat denken. Kann der Staat vielleicht etwas kofinanzieren oder ein Projekt ganz übernehmen? Soweit ich das kenne, ist das in der Schweiz so nicht der Fall. Dort finanziert man die Dinge als Stiftung, und was der Staat tut, ist eine andere Baustelle", so Lutschinger.

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